Bericht von infranken – Liebesschwüre landen im Eimer

Bericht aus infranken zum Thema Liebesschloesser Bamberg

Kettenbrücke Wenige Wochen nach hundertfachen Liebessschwüren an der Bamberger Kettenbrücke droht das Beziehungsende durch den städtischen Bolzenschneider. Doch ganz lässt das Rathaus die Liebenden nicht im Stich.

Es war ein Geburtstagsgeschenk ihres Mannes, und Tanja Haas freute sich riesig darüber: Vor zwei Wochen hat die junge Familie aus Litzendorf ein großes und ein darin eingeklinktes kleines Schloss an der Kettenbrücke aufgehängt. „Für immer und ewig“ stand darauf.


Nun ist die Enttäuschung groß, dass die Ewigkeit möglicherweise nach ein paar Tagen zu Ende geht, und die Liebesschlösser wegen Lackkratzern und den Rostschlieren am Stahlseil wieder weg müssen:

„Das ist schon eine Frechheit“, sagt die junge Mutter. Auch ihr Mann Stefan, der die Gravur in Handarbeit gelasert hatte, ist sauer. „Die Schlösser waren nicht teuer. Aber sie haben einen hohen ideellen Wert.“
Ähnlich wie Tanja und Stefan Haas denken viele Bamberger. Sie haben dafür gesorgt, dass eine Brücke, die bisher eher für schlechte Schlagzeilen gut war, in ein völlig neues Licht gerückt wurde. Werden sie nun dafür bestraft, indem man ihre Schlösser knackt?

Ein merkwürdiger Wandel der Sichtweisen:

Die gleiche Stadtverwaltung, die nun mit dem Bolzenschneider droht, hat die Ankunft der ersten Brückenschlösser noch im Juni als „romantischen Brauch“ im FT angepriesen. Zusätzlich beflügelte ein Bild auf der Facebook-Seite der Stadt den rasch wachsenden Trend: Bereits Anfang September baumelten über 566 Liebesschlösser an den Geländerseilen, wie Stefan Sachs gezählt hat. Der Inhaber einer Werbeagentur betreibt den Blog liebesschlösser-bamberg.de. Laut Sachs haben die symbolträchtigen viele Besucher nach Bamberg gelockt: „Sie sind eine Attraktion.“

Ihre Liebe zu den Liebesschlössern haben längst auch Bambergs Einzelhändler entdeckt. In der ganzen Stadt gehen Schlösser aller Art wie warme Semmeln über den Ladentisch.

Auch Schlüssel-Friedrich in der Rosengasse profitiert von der Hochzeit der Gefühle rund um die Kettenbrücke – eine sympathische Sitte, findet Marion Friedrich. Sie versteht die Härte nicht, mit der die Stadt nun auf winzige Lackschäden reagiert: „Da gibt die Stadt Millionen für die Brücke aus und jetzt müssen die Schlösser weg, weil die Brücke einen Kratzer kriegt und die Kinder es wagen, Schlösser hin- und herzuschieben. Ein Quatsch!“

Auch der Stadtspitze ist nicht ganz wohl in ihrer Haut, wenn sie in den nächsten Monaten Hunderten von Paaren ihrer sichtbaren Liebesbezeugungen berauben muss, gewissermaßen, um Rostschutz zu betreiben. Sie sinnt seit einiger Zeit auf Abhilfe, ohne dass dies nach außen gedrungen wäre:

„Wir müssen beides unter einen Hut bringen. Wir wollen die lieb gewordene Tradition, Schlösser an einer Brücke anzubringen, nicht zunichte machen, aber wir müssen auch Rücksicht darauf nehmen, wenn an der Brücke technische Probleme entstehen“, sagt OB Starke (SPD).

Er verspricht, dass neue Schlösser an einer anderen Stelle an der Brücke aufgehängt werden dürfen. Auch Baureferent Michael Ilk will nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen und hat die Beseitigung der Brückenschlösser zwischenzeitlich gestoppt, nachdem der Baubetrieb bereits mehrere Dutzend von ihnen „geerntet“ hatte. Eine Rettung der Schlösser, für die es keinen Schlüssel mehr gibt, kann aber auch er nicht verheißen.

Doch ist die Gefahr durch die Liebesschlösser wirklich so groß wie vom Baubetrieb dargelegt?

Klaus-Georg Purucker, Sachverständiger für Stahlbau, sieht den Aufprall der Metallteile an den Pfosten nicht als Problem. Dies ließe sich durch Gummi-Stopper leicht bekämpfen. Schwieriger sei es schon, die Korrosion in den Griff zu bekommen, die durch den Kontakt zweier ungleicher Metallarten droht: „Galvanisierter Nickel und Edelstahlseile, das führt zu chemischen Reaktionen, die wie ein Rostbeschleuniger wirken.“

Andererseits würde Purucker an Stelle der Stadt auch nicht überreagieren: „Wenn die Schlösser wirklich so beliebt sind, was spricht dagegen, die Seile alle zehn bis 15 Jahre auszuwechseln?“ Laut Purucker bleiben die Kosten überschaubar: Ein Meter Stahlseil kostet etwa 25 Euro.

 

Was meint Ihr, sollen die Liebesschlösser an der Kettenbrücke hängen bleiben, oder nicht?

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